AIRRUS

Sechster Leserbrief - Spamschutz in einer großen Firma


Liebe „One“-Redaktion,

dein Russe Andrej schreibt dir mal wieder. Ich möchte dir von meiner bahnbrechenden Erfindung erzählen.

Seit langer Zeit belasten einige meiner unseriösen Kollegen mein Email-Postfach erheblich. Nein, teilweise, sind Filme, Bilder und die Mädels gar nicht so schlecht. Na ja, du weiß schon. Eher umgekehrt. Ich muss dabei immer wieder an die berühmtberüchtigte Tauschaktion „Neu gegen Alt“ denken.

Kein Tag vergeht, ohne dass ich solche Botschaften bekomme. Eines Tages, nach dem verdienten zweiwöchigen Urlaub, habe ich bereits beim Öffnen meines Postfachs einen virtuellen Schlaganfall erlitten. Hundertfünfzig Emails! Einhundertfünfzig, liebe „One“!

Ich wusste, ich musste handeln. Und wir Russen sind erfinderisch, wenn wir gerade nicht trinken und an die abstrakte Kunst denken. 

Der Aufwand war nicht so groß. Und wenn wir über die Testergebnisse sprechen werden, dann werden alle Spam-Schutzsysteme der Welt weinen. Aus Neid. Versprochen!

An gleichem Tag erzählte ich nebenbei in der Teeküche über einen Freund von mir, der zufällig in einer IT-Abteilung unserer Firma arbeitet. Den ganzen Tag beschäftige er sich mit der Filterung aller Emails im Auftrag unseres lieben Arbeitgebers. Ja, ja, ich weiß, dass es gesetzlich verboten ist. Nur wer ist sich so sicher, wenn es um die dunkelsten Ecken einer virtuellen Welt geht. Technisch ist alles möglich.

Auf die Erwiderung eines Kollegen, es sei doch unzulässig, speiste ich eine Prise Drama hinzu. Angeblich seien schon einige Mitarbeiter damit belastet worden. Kündigungsgrund!

Wir Russen sagen, Angst hat große Augen. Und große Wirkung, wohl gemerkt. Merk dir das auch, liebe „One“, das hilft bei deiner Aufklärungsarbeit.

Die Geschichte mit dem Freund saß, wie eingehämmert. Die Anzahl der Emails ging deutlich nach unten. In einer Woche bekam ich fast gar keine Emails mehr. Nur geschäftlich. Auf meine Fragen warum, seufzten alle geheimnisvoll und machten Gesichter, die James Bond alt aussehen lassen.  

Als ich meine Geschichte von einem Kollegen hörte, der am anderen Ende des Werks arbeitet, war die Sache mit Rotlicht-Emails bereits gegessen. Er redete allerdings von totaler Überwachung aller Abteilungen und vom direkten Draht zur Staatsanwaltschaft nach Berlin. Der Freund eines Freundes habe ihm davon erzählt.

In Zahlen: totaler Aufwand - fünf Erzählminuten. Ergebnis: großangelegte Panik im Interesse der Firma.

Liebe „One“, soll ich meine Erfindung patentieren lassen? An dieser Stelle möchte ich mich auch bei meiner Frau für die gute Idee bedanken.

Mit freundlichen Grüßen

Dein treuer Erfinder Andrej, der Russe

Hamburg, Februar 2005

airrus@gmx.net


Home # Leserbriefe # Top

Impressum: Das Advent-Komitee, sowie alle anderen Komitees distanzieren sich ausdrücklich von allen möglichen Parteien, Parteiinhalten, Parteibewegungen, von jeder Ideologie, sei sie kapitalistisch, kommunistisch oder sonst wie -istisch und neigen dazu, das Wort „Partei“ nur aus Nostalgie-Gründen zu benutzen. 

airrus@gmx.net

Letzte Aktualisierung: 06.02.2005

© AIRRUS 2005